Reality Check: Pussy Welt

vom 5. Juli 2021

Das Internetz gibt Allen, den Dümmsten, den Klügsten, und in ihrer natürlichen Mehrzahl, den Mittelmässigen, ein Sprachrohr in die Hand bei dem der Wiederspruch kaum wehtut. Manchmal bereut einer der Klügeren oder Emphatischeren ein zuvor „veröffentlichtes“ und löscht es oder wird, als „ Prominenter“ beim Versuch ertappt. Im Grude aber vergisst das Netzwerk über die Zeit, auch wenn die heutigen Allaroundinfluenzer sich und ihre Ergüsse für zu wichtig zum Vergessen halten, in den Gerätegenerationen rauscht die schöne Lethe. Sorry, Spottsfreunde, aber der gute Friedrich hatte recht: Was bleibet stiften die Dichter.

Pussy Welt.

ich sehe die faschistoiden Tendenzen in der Welt der Massenmenschen kritisch, kann aber nicht finden, dass es da tatsächlich einen “shift” gegeben hat im letzten Jahr - klar, alles wurde beschleunigt, aber doch nur in der Richtung, die eh schon vorgegeben war.

In der Welt der Rechnung und der Zahl musste die Vernunft hysterisch zusammenbrechen ob der Hochrechnung des zu Erwartenden, genauso wie sie es in der anderen grossen Krise, der des Klimas, tut. Hier wie da gab es unter den Wissenden und Herrschenden lange Diskussionen, aber am Ende ist es immer noch die Erzeugung von Angst und Schrecken, welche am reibungslosesten funktioniert beim Umgang mit der Masse Mensch.  

Oder Pussy Welt.

Aber die Anlagen für jede „Krise“ sind vorher schon eingebaut, im Wesen des Massenmenschen an sich. 

Selbstverständlich werden im “Ausnahmezustand” Möglichkeiten frei, die Massen zu schieben und weiter zu versklaven als im “Normalzustand”. Und ganz klar wird da gerade ausprobiert was geht, die Jetzt-Zeit ist ein wuderbares Testfeld, ein andauerndes Manöver für den Totalitarismus. 

Andererseits sind die Massen immer bereit dazu geführt zu werden und sind nicht nur Teil des Problems an sich, mit der, ihnen inhärenten, Art der Bedürfnissbefriedigung als Masse an sich, mit dem andauernden Wunsch nach Ablenkung von ihrem inneren Unfrieden durch den Konsum, das andauernde Flüchten (Reisen) und dem Heerden - Drang, sind sie das Problem.

Der Massenmensch ist somit der Anfang und das Ende der Krise, egal welcher Art.

Oder Pussy Welt.

Ich leugne nie die Gefahr durch einen Virus, der unbekannt war/ist und sicherlich gefährlich, ich distanziere mich allerdings grundsätzlich vor der Masse Mensch.

Es sind immer zu Viele. Und die Vielen sind in ihrem egoistischem Tun auch Schuld an den jetzigen wie den kommenden Übeln. 

Ich habe im letzten Jahr oft über meinen politischen Standpunkt räsoniert, im Grunde sehe ich mich als einen positiven Anarchisten mit einem Hang zum Fatalismus, den nihilistischen Anarchismus lehne ich immer schon ab. Mein Sohn sagt, wir wären Reaktionäre, weil wir nicht das Heil in der Technik sähen und im geistigen Fortschritt, fort-schreiten der Menschen.

Ich habe nie eine Möglichkeit gesehen für Kommunismus, der Mensch ist zu weit eine Sau, als dass er durch die Vernunft eingehegt werden könnte, mein Freiheitsdrang ist dafür zu stark. Der Kapitalismus ist die schlechteste andere Möglichkeit, hat aber mit seinem libertären Kern ein anarchisches Element eingebaut, das der Kommunismus meidet. Leider sieht die Welt, die kommt, aus wie eine Neuzüchtung aus den beiden Systemen ohne Freiheitskern: die HOW (HuxleyOrwellWelt) ist Turbokapitalismus mit Sicherheitsdenken und Gedankenverbot, die Welt des ÜBER-KONSUMS, wo jeder eine Marke ist und sich andauernd selbst ausbeutet, Geld ist der letzte Wert.

Oder Pussy Welt.

Die ganzen Lock-Downs tun mir nichts, im Prinzip sind das Vorboten der Zukunft, wenn die Vielen immer noch mehr zu Viel werden. Ich finde auch, den ganzen Idioten tut es ganz gut einmal innezuhalten, aber sie tun es eh nicht.

Die wahren Gegner der Freiheit der Menscheit sind dieselben wie früher, also die Russen und Chinesen mit der brutalen Unterwanderung der tumben Massen im Internetz. Lief der kalte Krieg noch über das Unterwandern der (künstlerischen) Eliten, so geht der lauwarme Krieg über die Dümmsten und Populärsten. Die 15 Minuten vom Andy sind lange rum, wir haben es jetzt mit den 5 Sekunden zu tun in denen der Altnazi Beuys seine Wiederkehr hat, wo Jeder ein Superstar ist, Sofort.

Aber Alles kann weggedacht werden, ist nicht relevant für die Zukunft von Menschen, negiert sich selbst, auch wenn die Geldmacht es immer wieder so scheinen lässt, als seien selbst die nichtigsten Einsen und Nullen ein eigenständiges, “zertifiziertes” Kunstwerk, das darf einen grossen Geist nicht stören, wie der kluge Karlsson schon wusste, und wird untergehen wie jeder Dreck zuvor und danach.

Aber Pussy Welt.

Das Totalversagen der bürgerlichen Medienwelt im letzten Jahr, zumindest eine hoffnungsvolle Stimmung zu erzeugen, zeigt auf, wo die vielen Pussys ihr Refugium haben: in den Redaktionen der Zeitungen und Rundfunkanstalten. Mir wäre vieles eingefallen im letzten Jahr, was man dem Bürger zumuten hätte können, die kleinen Schreiberlinge haben es aber wieder bei dem belassen, was sie beherrschen wie nichts Anderes: der Bericht aus ihrer Klüngel-Welt und wie schwer sie es hat mit den Covid-Repressionen, ansonsten Arbeitsbeschaffung für die immergleiche Gang von uninteressanten Prominenten. Nicht EIN-mal habe ich über Unbekanntes Neues gelesen oder gehört, es ist immer derselbe Brei. Und dazu die Sahnehaube: die ständige Bedürfnisserzeugung von Reise, Konsum und “Kultur”. Bravo!

HYPER FIGHTING

vom 29. April 2021

Im Herbst 2019, also vor der Aufmerksamkeit für die Seuche, fing ich an das neue und epochale Spiel DEATH STRANDING von Hideo Kojima (Dem Erfinder und Produzenten der METAL GEAR Reihe, von jetzt an im Text als KOJIMA SAN verehrt) zu spielen. Wie so oft spielt es in einer Welt nach der Katastrophe, welche in bester Kirby-Manier, nicht näher beschrieben wird. Die Menschen sind von der Weltoberfläche verschwunden, dort regnet es sauer, sie hausen in High-Tech Bunkern verstreut über den Planeten. Die Spielfigur, Sam Porter Bridges, hat nun die Aufgabe die Menschheit wieder zu verlinken, indem er ihnen Pakete mit Nötigem zustellt und das Chiral Netzwerk wieder herstellt, mit dessen Hilfe er dann selbst wieder benötigte Ausrüstung erlangt.

Das klingt recht fad, ist es aber überhaupt nicht, je mehr Cargo Sam trägt, desto schlechter kommt er auf dem unwegsamen Terrain voran, die Spielphysik ist fantastisch und zusätzliche Würze geben versprengte Anarcho-Terroristen, die Sam nicht töten darf, weil es echte Menschen sind, die in einer nuklearen Explosion aufgehen, wenn sie sterben. Dazu gesellen sich die BEACHED THINGS, vor denen Sam sich verstecken muss, indem er die Luft anhält oder sich davonschleicht indem er dem Scanner seines BBs vertraut, einem Retortenbaby in Nährlösung, das er immer in einem Tank mit sich trägt und das er beruhigend hin und her wiegen muss, wenn es zuviel Stress hat. Kommt es zur Konfrontation kann er diese Wesen zwar auslöschen, muss aber selber damit rechnen einen Krater in der Landschaft zu hinterlassen, sollten sie ihn erwischen.

Das ganze ist bestes Japano-Gaming mit tollen Story-Sequenzen und einer pazifistischen sowie Anti-Kapitalistischen (es gibt kein Geld, die Währung sind Likes) roten Linie. Die vielen, wirklich neuen Ideen und die atmosphärischen Settings und Musiken machen das Pakete austragen zum Hochgenuss, die Auswahl der Ausrüstung und Planung des Weges sind eine Herausforderung für sich. Ein echtes A-Spiel, das bei den Massen nicht wirklich ankam, vielleicht auch weil sich die Spielfigur immer Alleine in der Welt befindet.

Was mein, recht langsam fortschreitendes, Spielerlebniss betrifft, so leerte sich mit den Lockdowns im Frühjahr 2020 auch die wirkliche Welt, wenn Sam im Spiel “Does anybody hear me, Hello?” in die weite Leere ruft, antwortet Keiner. Er “klingelt” an den Terminals der Bunker und verkehrt ausser einigen wenigen, in den Story-Filmen zu ihm sprechenden Figuren, ausschliesslich mit Hologrammen. DEATH STRANDING war geradezu prophetisch für den Jetzt-Zustand der Corona-Welt geworden. Ausser der unsichtbaren, ständigen Bedrohung durch die BTs waren die Menschen verräumt in ihren Innenräumen oder anarchistische MULEs, Regelbrecher, die in Zelten hausten.

Wie schon oft gesagt, bin ich recht langsam, was Videospiele betrifft, und so war ich zum Sommer hin gerade mal halb durch - im Sommer habe ich andre Dinge zu tun als Video zu spielen, da langt mir ein kleines SF2 zwischendurch, sonst bin ich lieber draussen und beim Baden. Mit dem Herbst habe ich dann weiter gespielt, die Analogien zur richtigen Welt sind immer noch da, es ist ein visionäres Erlebniss, das gerade schwer auszuhalten ist.

Dann schwappte der unglaubliche Hype um CYBERPUNK 2077 auch bis in unsren kleinen Weiler, mit dem Versprechen einer riesigen Spielwelt VOLLER Menschen und Geschichten, basierend auf einem Rollenspiel aus den 90er Jahren. Also eine tolle Abwechslung zur Kontakt-losen Spiel-wie Echtwelt. Der Sohn hatte mich gewarnt, er hat das Ding schnell durchgespielt und für ein adiktives, aber einfach ein schlechtes Spiel ausgemacht. Ich wollte ihm nicht glauben und war ersteinmal geblendet von der fantastischen Spielwelt, ein Amalgan aus Blade-Runner und Perfect Dark, Strange Days und Barb Wire, gerade die Soft-Porno Anleihen gefielen mir verständlicherweise gut. Und obwohl es sich um einen First Person Shooter handelte, war ich immersiert, ich hatte so einen schon länger nicht goutiert.

Bestimmt 6 Wochen lang war ich, trotz aller Mängel der Konsolenversion mit ihren dauernden Abstürzen und dummen Bugs, weiter dabei, die Fahne für das Spiel hochzuhalten, obwohl es im späteren Verlauf immer mehr eine GTA-Kopie mit RPG Einlagen wurde. Und irgendwann wurde sogar mir klar, dass, genau wie der kluge Sohn mir beschrieben hatte, es in dem Spiel eigentlich nichts interessantes zu tun gibt, die Story ein lahmer Aufguss von vielem Bekannten ist und ausser dem guten Retro-Gefühl hier nicht viel zu gewinnen war. Also habe ich im Februar irgendwann, kurz vor dem Ende der Storyline aufgehört, es war immer dasselbe und das noch dazu ohne Gewinn.

Seitdem trage ich wieder Pakete aus und baue Strassen durch das Death Stranding Gebiet, ich habe meine Scheu abgelegt vor den BTs und Mule-Terroristen aus dem Weg zu gehen und mich durch zähes Verbessern meiner Nicht-Kontakte in der leeren Welt immer besser gerüstet für den Endkampf. Die Gespräche mit den Hologrammen der unterirdischen Bewohner sind mir mittlerweile lieb geworden, lieber als der unsinnige Smalltalk mit den Cyberpunk-Bewohnern, der ohne Sinn ist. Ich habe auch keine Furcht mehr vor der Analogie zur Corona-Welt, es ist eh alles Fiction.

Jetzt bin ich langsam stark genug das Spiel zu meistern, alles Strassen sind gebaut und alle Connections erstellt, ich glaube ich gehe morgen in das Finish - es soll auch im Post-Game noch gut sein, da mach ich, sollte ich alles überleben, dann weiter - oder ich spiele, wie mir der wissende Sohn rät, das, für ihn, beste Spiel des letzten Jahres, das Remake von FINAL FANTASY VII.

Nachtrag vom 5.Juli: Mittlerweile habe ich Death Stranding fertig gespielt (die Bosse waren fordernd aber am fordernsten war der 2 stündige (!!!) Abspann) und es dann, wie oben geschrieben, mit FF VII versucht - nach 10 Stunden habe ich das Spiel wegen des immergleichen, altbekannten, Spielablaufes und dem neuen, für mich schlechterem, weil nur noch bedingt Runden-basiertem, Kampfsystem wieder abgebrochen. Und bin in das Postgame von Stranding eingestiegen, welches herrlich langweilig ist und entspannend. Cyberpunk habe ich nicht mehr angefasst seither und wenn ich Action brauche spiele ich natürlich Street Fighter!

Zustand der Kunst

vom 11. Januar 2021

Über Sekundärmagazine

Egal ob Film oder Kunst, Literatur oder Musik - betrachtet man die Auswahl, die einem medial über die verschiedenen Kulturbetriebe und deren Multiplikatoren vorgesetzt wird, so sind es immer dieselben, bewährten Namen, die in Rotation zusammen mit wenigen ausgewählten aber sehr heissen Newcomern, tournusmässig wiederkehren und meistens nach denselben Strickmustern mit Strategien versehen sind, von denen angenommen wird, dass das Publikum seine Freude an ihnen hat, bzw. die angebotenen Produkte goutiert.

Und es gibt keine Rettung, nirgends sind JUNGE NEULINGE zu sehen, die etwas andres im Sinn haben als die Wiederkehr des Gleichen unter neuen Vorzeichen. Sind wir tatsächlich in der Nietzscheschen Schleife oder gibt es doch noch verborgene Wahrer und Einspringer? Die Begutachtung der weltweiten Kunst, und die ist ja immer besser möglich, stimmt nicht hoffnungsvoll.

Noch mäßiger als die der Inhalts-Ebene ist die der Form, es ist ja Usus in der K-Avantgarde sich keine Mühe zu geben, es gilt auch eher als Frevel wenn man länger an etwas arbeitet, aber der erlaubte Umkehrschluss ist das Fein-Rendern von vorgegebenem Bildmaterial a la Richter (natürlich Gerd), also eine Tiepolo Ästhetik der Banalsten Inhalte, wo Internet Porno oder Memes auf 3 Quadratmeter feingemalt werden von bebrillten jungen Amerikaner*inen, gerade vorzugsweise schwarz oder zumindest POC.

Da kommt gleich auch die Frage ins Spiel ob man überhaupt darüber reden darf. Oder soll. Und dann lassen es Alle. Weil es der Karriere schadet. Auf Instagram geht vieles nicht, oder besser gesagt: Alles ist relevant. Und grade sind alle noch dort. Wenn ihr aber diesen Text in 10 Jahren hier lest, gibt es Instagram als DAS Ding bestimmt nimmer und alle sind woanders. Mit noch andren Regeln. So geht die Welt.

Wenn in der Zeitung, im Fernsehen oder auch im Kunstmagazin immer nur dieselben Namen besprochen werden, in serieller Abfolge. Wenn dadurch so getan wird, als gäbe es eine “zeitgenössische” Kunst mit jenem Personal, als wäre diese “relevant” oder gar die Kunst, die in der Zeit übrig bliebe. Wenn durch diese Massnahmen also der Eindruck vermittelt werden soll, wir hätten mit wunderbaren Künstlern*inen eine wunderbare Kunst, eine Avantgarde, die taugt und zukunftsfähig ist, so kann dem nur ein klares NEIN, wir haben genau das NICHT, entgegengestellt werden.

Mal ganz abgesehen vom durch und durch inzestiösen Kunstsystem, in welchem Relevanz nicht durch die Qualität der Kunst hergestellt wird, sondern durch die Gruppenzugehörigkeit, existiert ein System der Angst, in dem keiner etwas unliebsames sagt, tut oder zeigt - die Zensur findet vor dem Schaffensprozess statt. Kunst, wie wir sie im Betrieb sehen, wird mit dem Betrieb als Zweck produziert und mit den Betrieblern als Ko-Produzenten. Es ist auch egal, welcher Mode die momentane Kunst folgt, durch die Betriebs-internen Wertsetzungen wird das gesamte Feld gerichtet, was da nicht passt, ist nichtexistent für den Betrieb.

Ich möchte mich auch noch weiter aufhalten bei der Nennung der immergleichen Namen: jede Generation Künstler*inen produziert eine gereinge Anzahl von Figuren, welche “Erfolg” haben und über die andauernd ein Gerede stattfindet, Sie sind der Bezugsrahmen ihrer Generation und manche von ihnen werden über das Geredete immer “relevanter”. Sie tauchen dann auf den banalen Hitlisten der Kunstmagazine oder Ranking-listen im Netz auf und werden so immer “wichtiger”.

Die Aufmerksamkeitsspanne einer Generation Kunst langt nicht sehr weit, so ungefähr 10 Jahre nach oben wie nach unten. Meist soweit man noch Akteure selber kennt, danach gibt es viel Anonymisität. Oder man bespricht wieder die nächste “besprochene” Generation. Was übrig bleibt ist die, vom Betrieb gesetzte Hirarchie, eine Pyramide mit den Vielen, in lebenslanger Hoffnung auf Erfolg gehaltenen und somit den Bau tragenden, Teilnehmern am Betrieb, Künstlern*inen, die sich selbst ausbeuten um Anteil zu haben, meist auch nur Touristen, und den wenigen “Grosskünstlern” an der Spitze. Man kann darüber geteilter Meinung sein, ob die Künstler*inen verarscht werden oder Sie es sich selbst antun, mir gleicht es dem Bild vom Esel, der durch die Möhre an der Schnur vor dem Kopf vorwärts getrieben wird.

Das Problem betrifft auch nicht nur die bildende Kunst; egal welche Publikation man heute aufschlägt, das Personal drinnen ist immerzu ein bekanntes. Wir leben tatsächlich NICHT in der Schleife der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wir lassen uns von unseren “Meinungsmachern” aber dieselbige immer wieder vorspielen. Es gibt “da draussen” eine Riesenmenge tatsächlich neuer Kunst/Film/Comics/Musik, vielleicht sogar Literatur, aber der Zugang wird extrem erschwert durch die mafiöse Krake des Kulturbetriebs und durch die Hörigkeit der K-Betriebler an der Erzählung derselben.

Und im Internet, wo man Anfang des Jahrtausends noch Aufmerksamkeit generieren konnte, ist die Lage ähnlich, wo früher Links gesurft wurden, auf der Suche nach vielleicht interessanten Inhalten, werden heute Bildchen gescrollt und der Rest ist Shopping-Mall. Die, an ihrer Irrelevanz leidenden, Künstler*inen buhlen auf allen Kanälen um gegenseitige Anerkennung, auf dass dieselbige des Betriebes folge. Seit ich zuschauen kann, wird immer wieder ein Gewese um die Aufmerksamkeit von Galeristen, Kuratoren und Sammlern gemacht, die Solidarität unter Künstler*inen gibt es nur bei gegenseitigem Nutzen. Das führt selbst beim interessierten Beobachter zu geistiger Verwirrung: werden von Künstler*in X/Y die Räume Z/A bespielt, gilt er/sie plötzlich als “gesetzt” und es wird auch gleich mit angenommen, dass sich die Preise seiner/ihrer Werke vervielfachen. Dabei ist es meist ein Nullsummenspiel mit der Künstler*in als Abhängiger.

Das Thema selbst ist mir seit langem ein Anliegen, wieder einmal darauf gekommen bin ich weil mir Freund Biber eine Publikation empfohlen hatte, die ich noch nicht kannte: VONHUNDERT, durchaus empfehlenswert und brauchbar, und mit vielen tollen Features auch von der Haltung her bemüht genau Da einen Unterschied zu machen, also was die Aufmerksamkeit gerade der unbekannteren Akteure betrifft, ABER bei der intensiveren Beschäftigung fiel ins Auge, dass der Bezugsrahmen doch wieder genau derselbe ist wie immer, also ein bisserl upgedated auf die Generation um die 50, aber die JUNGEN HELDEN, die ich noch kennenlernen möchte, vermisse ich schmerzlich. Klar ist das nicht einfach, erstens verlieren wir Alle den Zugang zur Jugend, bzw. die Jugend hat auch keinen Bock auf UNS. Und zweitens ist es in einem Bezugsfeld von Abhängigen (vom Betrieb an sich) gut überhaupt ein Beziehungsgeflecht vorzuweisen zu können. Das hat dann natürlich auch Relevanz.

Dass auf diesem Wege keinerlei “Empowerment” für die vielen “unbekannten” Künstler zu Stande kommt, sondern nur die Affirmation des Status Quo, dürfte auf der Hand liegen. Dass ein Weg sehr schwer ist, auf dem die Alten die Jungen mitnehmen, mitten im Turbokapitalismus, liegt auf der Hand, und dass wir, als die Alten das Vertrauen der Jugend gewinnen können, doppelt schwer. Früher soll es mal eine Polis gegeben haben, aber die war auch nit Hirarchien durchzogen. Ich dachte einmal kurz, es ist bestimmt 30 Jahre her, dass so etwas möglich ist, und versuchte seitdem immer neugierig zu sein und auch meine “Posten” durchzureichen, aber ich sehe die Schwere der Aufgabe.

Und doch gab und gibt es Sekundärmagazine, die über die eigene Blase hinaus offen sind für das Neuartige und auch immer wieder die eigene Messlatte neu verhandeln, genauso wie es Seiten wie Diese im übermüllten Netz gibt, man muss sie nur finden. Ein Vehikel zur Sammlung allerlei solcher Inhalte, die nicht im Kanon der Mittelmässigkeit auftauchen (wollen) wäre also zu Erhoffen, den Von100ern bleibt nur mehr Kraft zu wünschen, da weiter zu gehen.

Ich dachte auch immer, wir müssten schon längst den TOLLEN Film gesehen haben, den eine Gang von jungen Menschen mit 10 iPhones und gecrackter Software herstellt, aber solche Experimente habe ich bisher erst von den eh schon etablierten Figuren gesehen. Ich glaube allerdings inständig daran, dass es den Spitzenfilm der Jetzt-Zeit schon gibt, und ich nur keinen Zugang dazu bekomme, weil ich von der Kommunikation der jungen Menschen ausgeschlossen bin, ich hab ja kein TicToc. Genauso gibt es immer den fantastischen neuen Künstler, nur wird er von der Medienmacht gedrückt, wir sehen ihn nicht. Leider höre ich auch nichts, wohl weil es nicht mehr populär ist laut zu schreien, so dass es bis hier heraus, ans Ende der Welt, gerade noch nicht tönt.

Reality Check: am bitteren Ende des Humanismus pt. 2

vom 24. September 2020

Mir haben jetzt so lange die Worte gefehlt, über allem Seuchen-technischen und dem andauernden Abwägen der Richtigkeiten der Massnahmen, die Worte stauten sich auf und wurden hinfällig, immer wieder dachte ich jedenfalls so.

Auch das Überprüfen, der spärlich, tatsächlich in mein Buch geschriebenen, Worte, bringt keinen fassbaren Zusammenhang im Abschrieb, zu durcheinander gestaltet sich das Hin und Wieder.

Die emotionalisiert geschürte Hysterie vom Anfang des Jahres ist einer gespannten Routine gewichen, es braucht immer „Bilder“ zum Anschieben der trägen Masse, welche ja immer auch selbst das Problem ist.

Auch wenn eigentlich JEDEM klar sein sollte, dass er/sie die Krankheit NICHT haben will, ist die Masse Mensch ohne das starre Gängeln des „Lockdown“ anscheinend nicht in der Lage ihr Verhalten selbstbestimmt zu sichern.

Die Krux ist das massige der Masse, das dauernde Drängen zueinander, dass dem Massenmenschen über lange Zeit anerzogen wurde um ihn besser zu leiten und auszubeuten.

Und genau diese Leitmechanismen des Totalkapitalismus machen es den Herrschenden in der „westlichen“ Welt so schwer die Bedürfnisserzeugung des Individualismus abzustellen und die Lebenswelt zu sichern, sie gäben damit einen Grundpfeiler ihrer Macht zumindest vorübergehend auf. Die Chinesische Führung hat da weniger Probleme, bei ihr herrscht bedingungsloser Gehorsam.

Eine Frage ist natürlich ob das überhaupt geht, die Sicherung der Zukunft. Das Universum ist kalt und grausam und nagt am Verstand und an der Materie gleichermaßen. Was ist Sicherheit. Wo Freiheit?

Die Massnahmen der Seuchenbekämpfung sind hier nicht in Frage zu stellen, auch nicht deren Einsatz durch die deutsche Führung. Wenn, dann hätte ich mir eine längere Dauer des Innehaltens gewünscht, aber das war/ist wohl in der immer noch hysterischer geführten, emotionalisierten Echtzeitmedienpolitikdebatte nicht möglich. Wie auch bei den andren „Zukunftsthemen“ Migration und Klimawandel werden Diskurse in hektischer Reaktion auf Schock-Bilder, gerne mit Kindern darauf, geführt und mit Emojis versehen hin und hergetzwitschert, die Entscheidungen folgen im Stundentakt, für die Vielen immer noch viel zu langsam hinterher. Sie bevorzugen den noch schnelleren Takt auf den “alternativen Medien”….

Hier Auszüge meiner langsamen Aufschriebe:

18918: Es bleibt den schlechtesten überlassen, den Massenmenschen die Welt zu erklären. Sie können freilich nicht Anders als Fehler zu machen. Selbst kennen sie keine wirklichere Wirklichkeit mehr als die Medienblendung - Aus dem Hollywood Film deuten sie die Zukunft, legen die Zusammenhänge von Politik dar.

11620 Über die Rolle der Medien in der Seuchenbekämpfung: als Scharf-und-Angstmacher haben die „klassischen“ Medien überzeugt. Erst mit den „Zweifeln“ nach den ersten Lockerungen wurde das Angst-und-Schrecken-programm stark heruntergefahren. Die regierungstreue Beeinflussungsmaschinerie hat einmal mehr bewiesen, wie gut sie die Massenhirne wäscht. Ein Problem bleiben die Asozialen Medien. Das Nähkästchenkonglomerat (Springer, Burda, Spiegel, FAZ, TAZ, SZ, Zeit, ARD und ZDF etc - die „Qualitätsmedien“.) erreicht da bestimmt ein gutes Fünftel der Bevölkerung nicht mehr oder nur noch schlecht. Auch deshalb brauchte es die starken Beschränkungen.

Weiter gilt das Ende des Humanismus: im Prinzip hat die Regierung die Werkstättenlandschaft und die Konsumenten schützen müssen.

Die Emotionalisieren half/hilft zur Durchdringung alles Menschlichen mit der Zahl.

In der „Lockerungsphase“ gelten neue Zahlen. Auch die Toten und das Sterben werden nicht mehr horrorifiziert.

Die enormen Summen an „Förderung“ dienen der Festigung der alten Eliten in der Beschleunigung in die HOW.

Das Merkel-Regime wird die EU im globalen Kampf halten. Wahrscheinlich werden wir als „Sieger“ gelten. Wie China - es war früh zu erkennen, dass es ein Rennen gibt um die Nation(en) welche ihre Werkbank als erste wieder zum Laufen bringt - es ging nie um Menschenleben, es geht immer nur um Macht.

Wenn man jetzt so tut, als liefere die Seuche einen Anlass zur Änderung auch in Betracht auf die Klimadiskussion, dann geht es dort auch wieder nur um das Abstecken des Claims, der erste zu sein in der „Zukunftstechnologie“ also bei den Geschäften von Morgen.

Die tech-basierte Diktatur bekommt einen immensen Schub. Der Kapital-Kommunismus, das Regime der Zahl ist dann da.

27820 Die „Krisen“ „unserer Zeit“ haben ihren Ursprung im massenhaften Menschen. Dessen Zucht wurde betrieben von den Machthabern zur Festigung der Macht. Deshalb ist eine Abkehr von den Maximen so schwer.

Seit Langem predige ich „STIILSTAND IST HALTUNG“ - schon in den 80er Jahren leuchtete mir das ein: „a wall may fall … but not a rock“ (Our Army at War #83)

Stillstand als Haltung würde bedeuten, Alles auf seine Notwendigkeit zu hinterfragen. Das schliesst nicht Freude haben aus, sondern EIN.

Unter solcher Maxime würden wir, als Menschheit, es vielleicht schaffen den Humanismus nicht zu retten, sondern weltweit erst zu installieren.

Aber der, zum massenhaften Dauerkonsum gezüchtete Massenmensch, und es ist keineswegs nur die „Unterschicht“, die nur am prekärsten und immer das erste Opfer, wird immer gleich zu den eingeübten Mustern zurück fallen, sobald der Druck nachlässt, er soll es ja auch, für den Wirtschaftsaufschwung.

Grundlagen der Macht

Zustand der Kunst

vom 19. Januar 2020

Versuch zu Fan-Art

Ich war nie ein besonders guter Fan Artist, habe es aber über die Jahre immer wieder unternommen, mir verschiedene Stile anzueignen. Auch war ich öfters eingenommen von den imaginären Welten grosser Vorbilder wie Kirby, Marsh oder Hogarth. Aus diesen, meinen, Bemühungen entspringen dann hybride Charaktere in mein eigenes Universum, ich kann sie dort integrieren und pflegen, der Bezug zu den Vor-Bildern ist offensichtlich, trotz meinem „ungelenken“ Rendering mit Bad Ink und Dirty Paint.

Jetzt bin ich gerade fertig mit einer Auftragsarbeit, die Aufgabe war, der jungen Sammlerin „etwas mit Twin Peaks“ Inhalt zu machen - interessant genug - war ich ja selbst von der Erstausstrahlung an ein „Fan“ der Serie. Die alten Staffeln kenne ich auswendig und die neuen 18 Stunden haben mich auch schon zum wiederholten Male an den Monitor gefesselt. Also ein ideales Studienobjekt zur Fan Art, über die ich schon länger etwas aufschreiben wollte.

Definition von Fan-Art: Annäherung, Fortführung und Ausschmückung eines idolisierten Kunstgegenstands vom Fan-Standpunkt aus für das Publikum, das Fandom. Der Korridor ist schmal: Wiedererkennbarkeit und Stimmungslage gelten als sakrosankt. In gefeierten Ausnahmen von der Regel gilt die Umkehr und der Bruch mit dem Original als „cutting Edge“, um aber bald wieder in gewohnte Wasser zurückzukehren, Heimeligkeit gehört über allem immer hergestellt. Die Macher von Fan Art gelten als Professionelle, das Publikum ist Fandom. Die meisten Aktiven erwachsen aus dem Pool des Fandom, Quereinsteiger sind möglich aber selten populär. Fan-Art hat sich in allen Gattungen durchgesetzt, egal ob Film, TV Serie, Comics, Literatur, bildende Kunst und Musik - gerade die „klassische“ Musik kann man unter diesen Vorgaben als ausschliesslichen Fan-Art Bereich ansehen. Aber überall Anders dasselbe: gute Beispiele sind die Comic-Filme oder der junge, „neue“ Fusion-Jazz, in der Kunst kannte ich in den 80ern viele, die sich mit Warhol Flowers das Handgeld aufbesserten und später staunte ich über die miesen Richter-Kerzen und einfallslosen Fontana-Schlitze der jungen Kollegen. Heute steht die Gunst des Publikums mit der Kopie, der originäre Entwurf gilt den Meisten zu anstrengend, durch das Fan-Art inhärente Schleifen und Polieren der Oberfläche ist auch die Kenntnis der Ästhetik eines Originals geschwunden, soll heissen: über dem, oft rohen und ungeschliffenen Original liegt eine dicke Schicht von emotionalisierter Fan-Schminke, die nur noch einen schwachen Schimmer der ursprünglichen Kraft durchlässt. Aber genau diese schicke Tünchung ist die Ästhetik, die das heutige Publikum bevorzugt.

Also galt es die Stimmung der Serie zu gestalten, mit wiedererkennbaren Charakteren und Szenerien. Ursprünglich dachte ich an ein Tableau mit Schlüsseleindrücken- es sollte ja nichts hinzukommen, also nicht soviel von mir wie in meiner sonstigen Kunst steckt, ich wollte das Twin Peaks Universum nicht in meines eingliedern, was auch an David Lynchs starken Bildern liegt, da braucht es nichts dazu.

Kurzer Exkurs: in den 80er, frühen 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es um mich herum den Streit ob Lynch ein Künstler ist oder nicht, ich war immer der Ansicht Ja, auch und obwohl ich sein tatsächlich bildend-künstlerisches Werk nicht goutiere, Heute genauso wenig wie Damals: Seine Filme dagegen sind Kunst pur und simpel, haben mich immer wieder eingefangen und sind Genre-bildende Meilensteine, gerade Twin Peaks gründet ja die moderne TV Serie, ist Matrize für vieles danach. Twin Peaks ist Schlock-würdige Kunst, nicht alles von Lynch kommt da hin, manches ist arg artsy, wie Inland Empire oder Eraserhead, anderes zu straightforward Film wie Blue Velvet oder Wild at Heart, in Twin Peaks, wie in Mulholland Drive (ursprünglich auch als TV Serie konzipiert) ist Lynch am meisten bei mir, es liegt wohl am seriellen Charakter, diese „Schlock-ness“ - da gibt es für mich nichts zum hinzufügen, den Einfluss habe ich in meinem Werk schon längst verdaut, verbaut.

Jetzt also zum Erfahrungsbericht: sogleich viel bei der Arbeit ein „aufgeräumt sein“ in der Twin Peaks Welt auf, da wo man nur „ausmalen“ und „hinzufügen“ kann, nicht aber neu schaffen, stellt sich Entspannung ein. Die einzelnen Tafeln hatte ich schnell entworfen, dann aber habe ich mich in Details verloren und mich in Abmalungsprobleme vertieft, um „Ähnlichkeit“ herzustellen - nach 3 Wochen war ich immer noch nicht fertig mit den 5 A2 Bildern. Aber je weiter ich mich in die Einzelheiten verbiss, desto klarer wurde mir, dass GENAU diese Immersion in die Vorgabe notwendig war zur Erstellung echter Fan-Art. Am Schluss musste ich mir einen Ruck geben und mich losreissen von dieser Arbeit, so sehr hatte sie mich in den Bann gezogen. Die Sammlerin war bei der Abgabe selig und auch ich war beseelt von Stolz, es war auch gut geworden.

Das war im November, danach habe ich mich erst einmal in meine „normale“ Arbeit gestürzt, die ich während der Fan-Arbeit vermisst hatte, also Freie Malerei und Abstrakter Narrativ, wo ich machen kann was ich will.

Anfang Dezember bekam ich dann Lust darauf, meine eigene Fan-Art zu machen: GIL-RAK Tafeln im Stile der guten alten Gold Key Tarzan Cover - wenn ich fertig bin zeig ich sie euch, der grosse Vorteil gegenüber der Twin Peaks Sache ist, dass ich die Parameter der Vorlage verschieben kann, wie es mich anfällt - es ist ja mein eigenes Universum, die Narration ist meine Eigene!

Aber ist das dann noch Fan-Art…?

HYPER FIGHTING

vom 15. Oktober 2019

Früher gabs an jedem Campingplatz in Italien einen Street Fighter und/oder einen King of Fighters Automaten, so konnte man, fern von den heimischen Geräten, bzw. vielleicht schon mit einem Gameboy ausgerüstet, mit den Kindern ein Match austragen, das 500 Lire Stück auf die Glasscheibe legen um den Platzhirschen zu besiegen oder auch einfach sich erfreuen an der fantastischen Gesamtästhetik.

Leider ist das Arcade Sterben auch an den spielbegeisterten Italienern nicht vorübergegangen, die wunderbaren Sale Giochis gehören der Vergangenheit an und findet man in der Hauptsaison vielleicht noch an dem Einen oder Anderen touristischem Hotspot noch den Einen oder Anderen, sehr abgenutzten oder gleich defekten, Automaten, so fehlen diese Höhepunkte der Kulturgeschichte dort völlig, wo wir jährlich zu unseren Studienreisen fahren: im südlichsten Süden von Italien gibt es zwar in jeder Shopping Mall einen Gamespot, aber die sonst so geselligen Calabresen zocken auch lieber zuhause wie die Unseren auf der Konsole oder gleich am PC.

Also habe ich mich, nach langjährigen Mangelerscheinungen und zaudernden Überlegungen, dies Jahr für die Zeit auf den Campingplätzen am Mare Ionico, ausgerüstet mit KoF98 auf der Switch, einem Gamepad, das nicht so klappert wie mein Arcade Stick, wegen der Geräuschentwicklung in der Nacht, und einem Täschchen in dem das alles Platz hat und das zudem ausgezeichnet als Ständer für die Konsole figuriert. Natürlich hätte ich auch andre Spiele dabeigehabt, wir haben zu zweit auch einige Abende mit Mario Party verbracht, für die Befriedung meiner Fighting Game Seele erschien mir ein SNK Spiel besser geeignet als das sonst mehr geliebte beste aller Spiele aus dem Hause Capcom, auch und gerade weil es mit 4 Knopf Belegung auskommt und ich nicht die harten Schläge oder Kicks mit den Schulterbuttons ausführen muss, was mir das Spiel schon auf allen früheren mobilen Geräten verleidet hatte. Was hätten wir noch bis vor kurzer Zeit für 1:1 Ports unserer Lieblings-Arcade-Automaten in Kleingeräten mit störungsfreier Sicht mit perfekten Eingabeaperaten gegeben?

So sass ich dann im früh verdunkelten Rauschen und Rascheln des Platzes, die Gattin, müde von den Anstrengungen des kulturschauenden Tages, schon zu Bett, voll der guten Speise und des feinen Tranks, das erfrischende Bad noch in der Erinnerung, und baute mein Spielzeug auf am Tisch unter dem flackernden Licht der Gaslaterne und im Ruch der Anti-Mücken Spirale. Um den, zu und von ihren, immer monumentaler werdenden Wohnmobilen, flanierenden, im Durchschnitt den Eintritt zum Rentenalter schon hinter sich gebracht habenden, Mit-Campingplatzbewohnern nicht zu exotisch zu erscheinen, spielte ich natürlich mit Kopfhörer, was den Vorteil brachte, das überragende Sounddesign störungsfrei analysieren zu können. Nur selten musste ich unterbrechen, wenn ein Bekannter von den wenigen Gästen mit mir ein Gutenachtwort tauschen zu hatte oder die Flasche Wein sich leerte und eine neue zu öffnen war.

Ganz anders und viel befriedigender als frühere Versuche mit Gameboys und PSP oder der Gleichen schlägt nun diese Erfahrung zu Buche, ich kann einem Jeden das Vorgehen nur empfehlen, es ist nicht der Ersatz für das gesellige Treiben am umschwärmten Automaten, für mich war es sinnstiftende Abschweifung vor dem Schlafengehen, ohne den Leistungsdruck des Gewinnen-müssens und der Rekorde-Maximierung. Auch der fehlende Online Modus, durch das wackelige Internet verursacht, trug zu einer entspannteren Spielhaltung bei, wie auch die grundsätzliche Tranquilität dort im Sud. Das KoF98 war ein perfekter Begleiter, das Hori Pokken Pro Pad robust und präzise, zu guter Letzt das Täschchen von Tomtoc geräumig mit stabilem Stand. Sogar im Lärmen von Rom, gegen Ende unserer Reise hatte ich einen perfekten Spielenachmittag, von schreienden Römern und kreischenden S-Bahnen umweht.

Zustand der Kunst

vom 25. Juli 2019

Die Disney-isierung im Dienste der HOW (HuxleyOrwellWelt).

Walt Disneys Einfluss auf Kunst und Kultur war schon zu seinen Lebzeiten wirkmächtig, wahrhaft durch - und - zersetzend wurde er erst nach seinem Tode. Nach zwei Jahrzehnten der Konsolidierung und Neuausrichtung fing die Walt Disney Corporation in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts an mit ihren erfolgreichen Franchises die Reale - wie die Digitale Welt zu erobern. Disney Stores und neue Themenparks Weltweit, der Traum von Walt, die Disney Stadt Celebration wurde 1996 bezogen, mit Pixar wurden frühe Erfahrungen gesammelt, die heute noch lange nicht an ihrem Ende angelangt sind, den Zauber der gezeichneten Disney Ästhetik in volldigitale Welten zu überführen. Disneys Ismus ist so Alles einschliessend wie Protofaschistoid, Rasse, Gender, Glaube spielen keine Rolle, die Disney-Welten sind für jeden identifizierbar gebaut, der sich an die Regeln und (scheinbar) humanistischen Gebote hält. Was Disney im Grunde will ist eine starre Ordnung mit glücklichen Menschen, denen ihr Dasein als Arbeitsbienen ohne demokratische Einflussnahme nicht mehr auffällt, da sie von immer denselben virtuellen Abenteuern und Dramen so erfüllt sind wie ehemals die Erleuchteten der Sektenführer. Der Kodex von Celebration ist eine schöne Blaupause der Sinnlosigkeit menschlichen Strebens nach Glück in der totalitären Stadt. Eine ungated Community für die obere Mittelklasse, ein Vorbote der Hochsicherheitstrakte für die Reichen auf der Flucht vor dem Pöbel, den sie selbst geschaffen haben.

Was Disney will ist Annahme des faschistoiden Systems auf emotionaler Ebene über immer die gleichen Gleichnisse der jugendlichen Weltretter in fantastischen Situationen. Wenn die Welt immer wieder gerettet wird, ist schon alles so in Ordnung, im Wir der Guten sind Alle vereint gegen die Bösen, die Anderen. Es gibt nur schwarz und weiss und am Ende der Erzählung nur das Licht der Ewigkeit. Der gemeinschaftliche Konsum ermöglicht jedem die Zugehörigkeit zum System, im idealen Ende der Welt sind Alle gleich hirngewaschen und führen ihre jeweilige Nichtfunktion in der HOW aus. Über die Disney Charaktere mit ihrer 100% Wohlfühlästhetik wird heute in 4. Generation Nostalgie für einen nie gehabten Allgemeinplatz geriert, ein kollektiver Gedächtnissort, der nach Mom und Dad und Apple Pie riecht, über die Jahrzehnte verfeinert und mit den Zutaten der populären Weltkulturen angereichert wird. Disney hat es geschafft Manga wie Marvel zu schlucken und als neue ästhetische Weltordnung zu verordnen. Und was der grösste Verdienst ist: Disney negiert alle Anderen, seinem Wesen fremde Stile, nullifiziert sie und hebt sie somit für die Aufmerksamkeit der Massen auf. Das Take-over geht immer weiter, Netflix, erst mit gleichen Visionen für die Massenkultur gestartet, ein Disney-Klon, wurde bald von Disney unterfüttert und in naher Zukunft mit eigenem Kanal getrumpft.

Im Kampf um das Publikum ist alles recht und es zählt nur die geraubte Zeit der molekularen Masse, es geht schon lange nicht mehr um Geld an sich, sondern um die übrigen Minuten, nach Abzug von Schlaf, Transport von und zum „Job“, der immer mehr eine Dienstleistung ist und kaum mehr etwas, das ausfüllt und stolz macht. Der Weg in die „Dystopie“ wird mit der immer nächsten dystopischen Erzählung unter Disney Regeln erträglicher gemacht, am Ende geht es ja gut aus… Auch wird vorgegeben, es ginge um ein Sammeln von Daten, dem zwar gewehrt gehörte, aber selbst der ungesunde Menschenverstand nicht mehr wissen kann, wie er die Wehr noch halten sollte. Dabei dienen die Daten nicht zur Versklavung der Menscheit, sie sind nur Mittel zum Zweck, und der besteht in der totalen Absorbation Aller in die Disney Diktatur, den Faschismus der HOW mit den Mitmacherlebnisswelten, Event-isierung von Allem und Jedem, der Dauerablenkung und totaler Konformität der Masse im „Individualismus“.

Soweit, so schlecht. Ich möchte aber noch an Fallbeispielen aus unterschiedlichen Künsten den tatsächlichen Fortschritt der Aktion aufzeigen. Es geht hier ja hauptsächlich um Ästhetik und das singuläre Moment der Umpolung, den Point of no Return, ab dem die HOW sich inthronisiert und die vormalig mannigfaltige und einzigartige Kunst besiegt.

Es gehört noch angemerkt, dass die Disney Kunst durchaus einmal positives Potential hatte und ihre Macht der Illusion für die Wege der freien Welt und der freien Kunst gebraucht hatte, in der Frühzeit, sagen wir mal bis vor Bambi, konnten Disney Produkte anarchischen Spass vermitteln, auch gehört später getrennt zwischen den Lizenznehmern, gerade in den Comic Books von Barks, den Strips von Gottfredson und Anderen wurden libertäre Weltanschauungen vermittelt, aber wie später auch mit Konzern- fremden Inhalten wurden diese Bewegungen eingereiht und nivelliert durch die grosse autorative Kraft der Kompanie.

Durch die neuen medialen Möglichkeiten des Streaming sind der HOW zudem Techniken des Disney und Lukas Universums der immer fortschreitenden Zensur und Angleichung des kulturellen Produkts zugewachsen, so dass ein einmal in die Welt gesetztes Werk immer weiter verändert werden kann, ohne die Möglichkeit des „Nutzers“, zumindest des gewöhnlichen, das Original noch einzu sehen. Der Disney Konzern selbst ist da an der Speerspitze, wie oft, mit „hyperrealen“ Neuinterpretationen seiner Klassiker im digitalen Stil. Hier ist die Zielsetzung klar die Löschung der wirklichen Wirklichkeit und die Setzung einer spannenderen, die Sinne überwältigenden, Unwirklichkeit, ein Programm, das Disney von Anfang an ausmacht. Wenn die tatsächliche Umgebung zu anstrengend für den Menschen wird, ist Flucht zu solcher Art von Überrealität ein schöner, einfacher Ausweg, die vergangene „ Natur“ wird geriert mit menschlicher Stimme, was kann schöner sein?

Nach der Übernahme von Marvel Comics (hier nicht die Filme) konnte man zügig sehen wie die Disney Vorgaben umgesetzt wurden, niedlicher und noch mehr Manga-Cartoony wurde die Oberfläche, die Inhalte wiedererkennbarer, bis zur Unkenntlichkeit am Marketing ausgerichtet, man hat ja mit Jason Aaron einen Nivellierer par exzellence, der es versteht seinem Revisionismus einen progressiven Anstrich zu geben, Aaron wurde in Hochgeschwindigkeit zum Chefwriter. Für den Interessierten bietet sein Magnum-Matsch Thor das ideale Anschaungsobjekt für die Strategien mit denen das gesamte Marvel Universum unterwandert wird.

Aber man sollte nicht meinen, die Disney-Werdung der Welt würde nur von der Disney Planungsabteilung her betrieben, es ist eher so, dass über die frühkindliche Geschmacksbildung das Verlangen nach dem Ewig Gleichen fest verankert ist in der Genetik der Schaffenden wie der Konsumierenden, die man eigentlich auch nicht mehr trennen kann, zu intensiv werden Mitmach-Momente geriert, über die Netzwelten wird sich gegenseitig abgehört und es ist eh Alles Fan-Art. Erstaunt blickt man auf einen Disney-fizierten Frank Miller mit seiner faden Big-Eye Saga Xerxes vom letzten Jahr oder die unzähligen Ligne-Claire-Manga Teenie Serien aus dem Hause Image.

Grauen erweckt die Vorstellung von einem grossen Anteil der Weltbevökerung, für die die Disneyfizierte „Kultur“ die ausschliessliche ist. Der Niedlichkeitsterror, welchen die egalitären Degenerierten auf ihren Internetkanälen pflegen, spiegelt da nur die Ballett-isierung des inszenierten Dauerevents in der hierarchisch-elitären Kunstblase, wie in den Arbeiten von z.B. Anne Imhof, zusammengedacht sehen wir die Unterwanderung vom Wesen, dessen wir einmal als Kunst gedachten, das nunmehr entschwindet und sich versteckt, während die Massen wie die Eliten die Kellertreppe immer weiter hinunter steigen.

Die Frage ist heute, stehen wir noch vor oder schon nach der Machtergreifung? Ein freundlich-weiser Walt Avatar würde in der HOW wohl durchgehen als Gesicht für die Weltherrschaft, wäre Konsens- bildend für Platons Philosofenregenten - oder Walt selbst wird doch noch aufgetaut und übernimmt.

Reality Check

vom 1. Juli 2019

Am bitteren Ende des Humanismus

Ich war nie ein Freund des Kommunismus, als wohlmeinender Anarch wiederspricht der Diskurs der Kommune grundsätzlich meinem Freiheitsbedürfniss. Am Ende kommen Regeln dabei heraus, Zucht und Ordnung. Die Erfahrung zeigt auch, dass die -Ismen immer wieder dieselben Strukturen ausformten, die sie vorher bekämpften. Die Macht wurde nur neu verteilt, nicht abgeschafft. Der Umgang mit den Sektiererkadern war und ist abzulehnen, sie pflegen selbst keine offene Weltsicht, sondern schliessen andere Philosophie auf Grund ihrer mutmasslichen moralischen Überlegenheit aus. Das setzt die Kommunistischen Regimes auf dieselbe Stufe für mich wie die Nazis oder die strengen Protestanten.

Die Ideen des Humanismus wurden aber nicht nur von den Diktaturen verkehrt, auch der Liberalismus hat ihnen schweren Schaden zugefügt, schon der kalte Krieg war schwer zu rechtfertigen, mit der neuen Weltordnung wandelte sich jegliche Politik in ein zynisches Kasperltheater auf blutigem Boden. Der Pluralismus der Meinungen rechtfertigt jede Tat aus sich selbst, sie war immer irgendwie notwendig, um das Ganze nicht zu gefährden, wer daran zweifelt, gilt als Pessimist. Der einfache Mensch in seiner Verunsicherung wird anfällig für Verschwörungstheorien und „Populismus“.

Die intensive Beschäftigung mit dem Thema der Weltverschwörung hat mir dieselbe nicht offenbart. Das installierte Geld und Machtsystem lädt zwar freundlichst zum Missbrauch und zur Bildung von mafiösen Strukturen, aber die Mären der Verschwörung bräuchten ein kluges Führungspersonal - was mir vor Augen kommt ist ein System in dem die Mittelmässigen von den Mittelmässigen geleitet werden. Vergiss also Platon und die weisen Herrscher - genauso wie es der Demokratie an einem interessierten und gut gebildeten Volk mangelt. Es wird im Mit-Tun am Raub der Zeit und des Lebens gehalten, bzw. hält sich selbst darin.

In diese Welt von Trump, Merkel, Putin und dem grossen chinesischen Bruder,um nur wenige der Protagonisten aufzuzählen, setzt sich die junge Greta T. zum Schuleschwänzen vor den Reichstag und predigt einen klar rückwärtsgewandten Regelterror, der, zu Ende gedacht, nur zu einem neuen Staatssozialismus mit HuxleyOrwellscher Regulierung führen kann, also alles Forderungen, die den Zustand nicht aufschieben, sondern tatsächlich radilal ändern würden. Also auch alles Forderungen, die im Grunde richtig sind, aber vom herrschenden System nicht gewollt werden. Und alle angeschlossenen Medien und Poltiker klatschen dazu wie blöd. Im realexistierenden Zynismus bilden die arme Greta und ihre Mitschwänzerinnen allerdings nur die nächste Erregung, die am Teflonpanzer der Macht perlt, zu praktisch als Ablenkung für die Massen um sie auszublenden, so wie Occupy oder jedes Andre Dagegen der, eigentlich mit dem System versöhnten Bürger, vorgetragen von einer kreuzbraven Jugend, die forscht. Das dazugehörige Blabla von der „sich endlich politisierenden Jugend“ dient dem Märchen der Meinungsfreiheit genauso wie dem Gebauchpinsel der desillusionierten Mittlelklasse, die Opfer sind die Kinder, die einmal aufwachen werden aus der aktivistischen Blase und der Wirklichkeit der brutalen Ökonomie ins Gesicht sehen: die scheisst nämlich von jeher sowohl auf Planet wie Mensch. Merke: das Universum ist indifferent und kalt, nur der Stärkste setzt sich durch.

Und damit sind wir in derselben Falle wie eh und jeh - wir kommen aus der Fortschrittsschleife nicht heraus und wer kann auch wirklich sagen, dass wir es sollten. Die Probleme, die kommen, werden mit den Resten des Humanismus aufräumen. Die HOW installiert sich mit den Freitagskindern umso flotter. Die mediale Furcht und Schreckenmaschinerie wird immer lauter heulen wenn die grossen Flutwellen die Ärmsten vernichten und die Reichsten von den Höhen aus ihre Dividenden pflegen. Und wir, die Meisten, lassen uns weiter im Dazwischen die Zeit zum Nachdenken stehlen und fühlen uns doch wirkmächtig mit unseren Konsumentscheidungen und der demokratischen Teilhabe an Wahlen. Und im Netz pflegen wir unsre besseren wie böseren Selbste in pedantischer Akribie neben dem Dauereinkauf.

Was mir an der ganzen Sache am wenigsten gefällt ist die Tatsache, dass der Gen-Pool der Reichen und Degenerierten der sein wird, der am Ende übrig bleibt. Und der sich auch noch perfektionieren wird durch die Technik der Schrankenlosigkeit. Ist das dann wirklich das Personal, mit dem wir einst den Weltenraum bevölkern sollten?

HYPER FIGHTING

vom 31. Mai 2019

Street Fighter spiele ich seit den seligen Super Nintendo Zeiten, ich glaube, mein erstes war ein stinknormales SF2 Modul - mit der klassischen Riege und den 4 Endgegnern: Vega, Balrog, Sagat und M. Bison (wir verwenden hier die westlichen Namen unsrer Helden, aus praktischen, nicht aus ästhetischen Gründen, da klangen die japanischen immer besser) - es war da schon ein schweres Spiel, jedoch zu meistern, die Imperfektionen des 16 Bit Moduls mal ausser Acht gelassen, die Framerate stimmte nicht und es waren Animationen gekürzt, aber mit diesen Problemen hatten wir länger zu tun, auf Konsolen gab es authentische Ports erst in den letzten Jahren, ein Witz bei der kleinen Menge an Daten.

SF war sofort mein liebstes Spiel im Fighting Genre, nur kurze Zeit spielte ich lieber Killer Instinct Gold, und ich habe über die Jahre alles ausprobiert, ob Neo Geo oder Sega, Namco oder Nintendo - am Ende wollte ich ein Capcom Fighting Game und am liebsten eines mit Ryu, Ken und Chun Li.

Die Faszination ist vielen Menschen schwer begreiflich zu machen, mir ist sie immer weiter gewachsen, für eine Weile, als die Kinder aus dem Haus waren, hatte ich keine neue Konsole mehr, ich habe dadurch SF4 im Prinzip verpasst, und ich hatte auch keine guten Eingabegeräte (Arcade Sticks) für den Computer, ich war für eine Zeit komplett heraus aus dem Capcom Kosmos (stimmt nicht, zumindest Resident Evil 4 wurde gespielt zu der Zeit), aber ich hatte feuchte Träume von SF und habe mehrmals wieder den alten Dreamcast angeschlossen für einen Schluck SF3 Third Strike.

Dann übermannte mich im Frühjahr 2016 SF5, obwohl eigentlich ein unfertiges Beta Produkt, war alleine schon die Kirbyesque aufgemotzte Oberfläche gepaart mit der robusten Unreal Engine mehr als mein Verstand aushielt. Im Verlauf der nächsten Jahre wurde das Spiel ausgebaut und an der Balance gefeilt, es ist Heute ein vollwertiges Mitglied in der SF Gemeinde und hält sich gut auf Höhe mit Teil 4.

Leider musste ich beim online Match feststellen, dass meine 54 Jahre mich nicht Reaktions-schneller gemacht habe und ich trotz unfangreichen Trainings mit der Jugend nicht mithalten kann, ich gewinne schon Kämpfe, komme aber über ein Silber-Ranking nicht gross hinaus, meist dümpele ich in Bronze. Und es liegt nicht an der Schwierigkeit des Spiels, ich bin einfach nicht mehr frisch genug, mir fehlt ganz klar die Aggressivität, das Quentchen Testosteron.

Was mich nicht hindert weiter zu verlieren, ich habe da keine Scham, das ist ja auch der moralische Grund dieser Reihe: never give up, always continue and get better. Ausserdem versüsst die famose Präsentation auch die bitterste Niederlage.

Letztes Jahr, zum 30ten Ehrentag des Franchises, gab es eine Kollektion mit 1:1 Arcade Ports der ersten 3 Teile, so hatte ich diese Spiele zwar schon in Emulationen auf dem Mac gespielt aber auf dem Fernseher und noch besser: überall auf der Switch, mit professionellen Arcade-Sticks zu spielen, entfachte meine Liebe zum aufwendigsten Teil der Reihe: SF3 Third Strike, neu UND ich lernte endlich die Mutter aller Fighting Games, das wohl beste Spiel überhaupt: SF 2 Turbo, wirklich kennen.

Der Turbo-Fighter ist so knackig schwer, dass ich auf Default Einstellung grosse Mühe habe die Arcade zu schaffen. Dem Turbo sind wir früher immmer aus dem Weg gegangen, er ist blitzschnell und lässt Frames aus. Aber das ist eine tolle Aufgabe: dieses einviertel- Jahrhundertalte Meisterwerk zu bewältigen! Da verblasst die moderne Version und wird seither nur noch zur Überprüfung der Updates hochgefahren, auf PS4 sterbe ich gerade eh lieber tausend Tode im Remake von Resi 2 - doch davon ein ander Mal.

Und wenn wenn mich der Turbo Fighter zu Arg frustriert, kann ich mich bei Third Strike entspannen, das ist der SF Titel, den ich am besten gelernt habe, da sitzt fast jeder Move noch wie vor 15 Jahren auf dem Dreamcast und ich habe nur leichte Probleme den Boss zu besiegen, der fordert: „Kneel before your Master!“ - I don‘t! Never.Ever.

Auf Switch spiele ich mit dem HORI Real Arcade Pro V Hayabusa,
auf PS4 benutze ich einen Mad Catz TE2+ Arcade Stick, im Playstation Network freue ich mich auf einen new Challenger unter schlockerSMX.

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