Reality Check: am bitteren Ende des Humanismus

vom 1. Juli 2019

Ich war nie ein Freund des Kommunismus, als wohlmeinender Anarch wiederspricht der Diskurs der Kommune grundsätzlich meinem Freiheitsbedürfniss. Am Ende kommen Regeln dabei heraus, Zucht und Ordnung. Die Erfahrung zeigt auch, dass die -Ismen immer wieder dieselben Strukturen ausformten, die sie vorher bekämpften. Die Macht wurde nur neu verteilt, nicht abgeschafft. Der Umgang mit den Sektiererkadern war und ist abzulehnen, sie pflegen selbst keine offene Weltsicht, sondern schliessen andere Philosophie auf Grund ihrer mutmasslichen moralischen Überlegenheit aus. Das setzt die Kommunistischen Regimes auf dieselbe Stufe für mich wie die Nazis oder die strengen Protestanten.

Die Ideen des Humanismus wurden aber nicht nur von den Diktaturen verkehrt, auch der Liberalismus hat ihnen schweren Schaden zugefügt, schon der kalte Krieg war schwer zu rechtfertigen, mit der neuen Weltordnung wandelte sich jegliche Politik in ein zynisches Kasperltheater auf blutigem Boden. Der Pluralismus der Meinungen rechtfertigt jede Tat aus sich selbst, sie war immer irgendwie notwendig, um das Ganze nicht zu gefährden, wer daran zweifelt, gilt als Pessimist. Der einfache Mensch in seiner Verunsicherung wird anfällig für Verschwörungstheorien und „Populismus“.

Die intensive Beschäftigung mit dem Thema der Weltverschwörung hat mir dieselbe nicht offenbart. Das installierte Geld und Machtsystem lädt zwar freundlichst zum Missbrauch und zur Bildung von mafiösen Strukturen, aber die Mären der Verschwörung bräuchten ein kluges Führungspersonal - was mir vor Augen kommt ist ein System in dem die Mittelmässigen von den Mittelmässigen geleitet werden. Vergiss also Platon und die weisen Herrscher - genauso wie es der Demokratie an einem interessierten und gut gebildeten Volk mangelt. Es wird im Mit-Tun am Raub der Zeit und des Lebens gehalten, bzw. hält sich selbst darin.

In diese Welt von Trump, Merkel, Putin und dem grossen chinesischen Bruder,um nur wenige der Protagonisten aufzuzählen, setzt sich die junge Greta T. zum Schuleschwänzen vor den Reichstag und predigt einen klar rückwärtsgewandten Regelterror, der, zu Ende gedacht, nur zu einem neuen Staatssozialismus mit HuxleyOrwellscher Regulierung führen kann, also alles Forderungen, die den Zustand nicht aufschieben, sondern tatsächlich radilal ändern würden. Also auch alles Forderungen, die im Grunde richtig sind, aber vom herrschenden System nicht gewollt werden. Und alle angeschlossenen Medien und Poltiker klatschen dazu wie blöd. Im realexistierenden Zynismus bilden die arme Greta und ihre Mitschwänzerinnen allerdings nur die nächste Erregung, die am Teflonpanzer der Macht perlt, zu praktisch als Ablenkung für die Massen um sie auszublenden, so wie Occupy oder jedes Andre Dagegen der, eigentlich mit dem System versöhnten Bürger, vorgetragen von einer kreuzbraven Jugend, die forscht. Das dazugehörige Blabla von der „sich endlich politisierenden Jugend“ dient dem Märchen der Meinungsfreiheit genauso wie dem Gebauchpinsel der desillusionierten Mittlelklasse, die Opfer sind die Kinder, die einmal aufwachen werden aus der aktivistischen Blase und der Wirklichkeit der brutalen Ökonomie ins Gesicht sehen: die scheisst nämlich von jeher sowohl auf Planet wie Mensch. Merke: das Universum ist indifferent und kalt, nur der Stärkste setzt sich durch.

Und damit sind wir in derselben Falle wie eh und jeh - wir kommen aus der Fortschrittsschleife nicht heraus und wer kann auch wirklich sagen, dass wir es sollten. Die Probleme, die kommen, werden mit den Resten des Humanismus aufräumen. Die HOW installiert sich mit den Freitagskindern umso flotter. Die mediale Furcht und Schreckenmaschinerie wird immer lauter heulen wenn die grossen Flutwellen die Ärmsten vernichten und die Reichsten von den Höhen aus ihre Dividenden pflegen. Und wir, die Meisten, lassen uns weiter im Dazwischen die Zeit zum Nachdenken stehlen und fühlen uns doch wirkmächtig mit unseren Konsumentscheidungen und der demokratischen Teilhabe an Wahlen. Und im Netz pflegen wir unsre besseren wie böseren Selbste in pedantischer Akribie neben dem Dauereinkauf.

Was mir an der ganzen Sache am wenigsten gefällt ist die Tatsache, dass der Gen-Pool der Reichen und Degenerierten der sein wird, der am Ende übrig bleibt. Und der sich auch noch perfektionieren wird durch die Technik der Schrankenlosigkeit. Ist das dann wirklich das Personal, mit dem wir einst den Weltenraum bevölkern sollten?

HYPER FIGHTING

vom 31. Mai 2019

Street Fighter spiele ich seit den seligen Super Nintendo Zeiten, ich glaube, mein erstes war ein stinknormales SF2 Modul - mit der klassischen Riege und den 4 Endgegnern: Vega, Balrog, Sagat und M. Bison (wir verwenden hier die westlichen Namen unsrer Helden, aus praktischen, nicht aus ästhetischen Gründen, da klangen die japanischen immer besser) - es war da schon ein schweres Spiel, jedoch zu meistern, die Imperfektionen des 16 Bit Moduls mal ausser Acht gelassen, die Framerate stimmte nicht und es waren Animationen gekürzt, aber mit diesen Problemen hatten wir länger zu tun, auf Konsolen gab es authentische Ports erst in den letzten Jahren, ein Witz bei der kleinen Menge an Daten.

SF war sofort mein liebstes Spiel im Fighting Genre, nur kurze Zeit spielte ich lieber Killer Instinct Gold, und ich habe über die Jahre alles ausprobiert, ob Neo Geo oder Sega, Namco oder Nintendo - am Ende wollte ich ein Capcom Fighting Game und am liebsten eines mit Ryu, Ken und Chun Li.

Die Faszination ist vielen Menschen schwer begreiflich zu machen, mir ist sie immer weiter gewachsen, für eine Weile, als die Kinder aus dem Haus waren, hatte ich keine neue Konsole mehr, ich habe dadurch SF4 im Prinzip verpasst, und ich hatte auch keine guten Eingabegeräte (Arcade Sticks) für den Computer, ich war für eine Zeit komplett heraus aus dem Capcom Kosmos (stimmt nicht, zumindest Resident Evil 4 wurde gespielt zu der Zeit), aber ich hatte feuchte Träume von SF und habe mehrmals wieder den alten Dreamcast angeschlossen für einen Schluck SF3 Third Strike.

Dann übermannte mich im Frühjahr 2016 SF5, obwohl eigentlich ein unfertiges Beta Produkt, war alleine schon die Kirbyesque aufgemotzte Oberfläche gepaart mit der robusten Unreal Engine mehr als mein Verstand aushielt. Im Verlauf der nächsten Jahre wurde das Spiel ausgebaut und an der Balance gefeilt, es ist Heute ein vollwertiges Mitglied in der SF Gemeinde und hält sich gut auf Höhe mit Teil 4.

Leider musste ich beim online Match feststellen, dass meine 54 Jahre mich nicht Reaktions-schneller gemacht habe und ich trotz unfangreichen Trainings mit der Jugend nicht mithalten kann, ich gewinne schon Kämpfe, komme aber über ein Silber-Ranking nicht gross hinaus, meist dümpele ich in Bronze. Und es liegt nicht an der Schwierigkeit des Spiels, ich bin einfach nicht mehr frisch genug, mir fehlt ganz klar die Aggressivität, das Quentchen Testosteron.

Was mich nicht hindert weiter zu verlieren, ich habe da keine Scham, das ist ja auch der moralische Grund dieser Reihe: never give up, always continue and get better. Ausserdem versüsst die famose Präsentation auch die bitterste Niederlage.

Letztes Jahr, zum 30ten Ehrentag des Franchises, gab es eine Kollektion mit 1:1 Arcade Ports der ersten 3 Teile, so hatte ich diese Spiele zwar schon in Emulationen auf dem Mac gespielt aber auf dem Fernseher und noch besser: überall auf der Switch, mit professionellen Arcade-Sticks zu spielen, entfachte meine Liebe zum aufwendigsten Teil der Reihe: SF3 Third Strike, neu UND ich lernte endlich die Mutter aller Fighting Games, das wohl beste Spiel überhaupt: SF 2 Turbo, wirklich kennen.

Der Turbo-Fighter ist so knackig schwer, dass ich auf Default Einstellung grosse Mühe habe die Arcade zu schaffen. Dem Turbo sind wir früher immmer aus dem Weg gegangen, er ist blitzschnell und lässt Frames aus. Aber das ist eine tolle Aufgabe: dieses einviertel- Jahrhundertalte Meisterwerk zu bewältigen! Da verblasst die moderne Version und wird seither nur noch zur Überprüfung der Updates hochgefahren, auf PS4 sterbe ich gerade eh lieber tausend Tode im Remake von Resi 2 - doch davon ein ander Mal.

Und wenn wenn mich der Turbo Fighter zu Arg frustriert, kann ich mich bei Third Strike entspannen, das ist der SF Titel, den ich am besten gelernt habe, da sitzt fast jeder Move noch wie vor 15 Jahren auf dem Dreamcast und ich habe nur leichte Probleme den Boss zu besiegen, der fordert: „Kneel before your Master!“ - I don‘t! Never.Ever.

Auf Switch spiele ich mit dem HORI Real Arcade Pro V Hayabusa,
auf PS4 benutze ich einen Mad Catz TE2+ Arcade Stick, im Playstation Network freue ich mich auf einen new Challenger unter schlockerSMX.

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